|

Thassos – ein Labrador auf eigenen Wegen

Als Larsson noch jung war, gehörte Griechenland bereits zu unseren regelmäßigen Reisezielen. Natürlich sollte er mitkommen.

Das war allerdings eine kleine logistische Herausforderung. Wir waren zu viert unterwegs, dazu kam Larsson. Und ich besaß keinen Kombi, sondern eine ganz gewöhnliche Limousine.

Ich fand eigentlich, dass wir genügend Platz hatten. Die beiden Kinder saßen auf der Rückbank, Larsson irgendwo dazwischen. Auf der Hinfahrt funktionierte das erstaunlich gut.

Auf der Rückfahrt wurde es meistens schwieriger. Schließlich konnte man Griechenland nicht verlassen, ohne vorher verschiedene Märkte besucht und sich mit örtlichen Spezialitäten eingedeckt zu haben. Der Platz wurde entsprechend kleiner.

Irgendwann schliefen die Kinder auf der Rückbank, Larsson lag quer darüber, und das Ganze sah aus wie ein ziemlich kompliziertes Knäuel aus Armen, Beinen und Labrador.

Ich war weiterhin der Meinung, dass alle genügend Platz hatten. Ob diese Einschätzung auf der Rückbank uneingeschränkt geteilt wurde, weiß ich nicht.

Ein Ferienhaus mit Garten

Bei einem unserer ersten Aufenthalte auf Thassos hatten wir ein altes Haus hoch oben in einem Bergdorf gemietet. Es war nur über einen steilen Fußweg erreichbar und besaß einen großen, eingezäunten Garten.

Larsson in Griechenland

Für mich war das ideal. Schließlich wusste ich damals noch nicht genau, wie selbstverständlich man in Griechenland einen Hund ins Restaurant mitnehmen konnte.

Eines Abends gingen wir zum Essen. Das Restaurant lag vielleicht hundert Meter entfernt, allerdings ein gutes Stück den steilen Weg hinunter. Wir ließen Larsson im Garten zurück.

Als wir am Restaurant ankamen, saß er bereits davor und wartete auf uns.

Wie er dorthin gelangt war, habe ich nie gesehen. Meine Vermutung ist, dass er über eine ungefähr zwei Meter hohe Mauer gesprungen war, die den Garten zum tiefer gelegenen Gelände begrenzte, und sich einen anderen Weg gesucht hatte.

Jedenfalls hatte er uns gefunden. Und offenbar war er der Meinung, dass ein gemeinsamer Urlaub auch gemeinsame Restaurantbesuche einschloss.

Die Katzen und das Hundefutter

Thassos hatte damals zahlreiche frei lebende Katzen. Eines Tages kamen wir vom Einkaufen zurück. Larssons Futternapf stand draußen auf der teilweise überdachten Terrasse.

Als ich nachsah, fand ich eine ganze Gruppe Katzen, die sich an seinem Futter bediente. Und mittendrin saß Larsson.

Er schaute den Katzen beim Fressen zu. Kein Bellen, kein Vertreiben, keine erkennbare Absicht, seinen Napf zurückzuerobern.

Einige Jahre später sollte er mit Pupa sogar eine Katze als engste Hausgenossin bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der unerwartete Mitbewohner

Nach seinem selbst organisierten Restaurantbesuch war ich etwas vorsichtiger geworden.

An einem anderen Abend ließen wir Larsson deshalb nicht im Garten, sondern im Haus. Die Tür war geschlossen.

Als ich zurückkam und die Haustür öffnete, saß Larsson direkt dahinter. Unmittelbar neben ihm saß ein schwarzer Skorpion.

Ich musste erst einmal genauer hinsehen.

Da saßen also mein Labrador und ein Skorpion friedlich nebeneinander, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.

Was zwischen den beiden während unserer Abwesenheit passiert war, weiß ich natürlich nicht. Zum Glück war Larsson nichts passiert.

Ein Reisegefährte fürs Leben

Es blieb nicht bei diesem einen Urlaub. Larsson begleitete mich noch viele Jahre nach Griechenland. Er lernte Fähren, Pensionen, Restaurants und zahlreiche neue Menschen kennen.

Später reisten wir gemeinsam mit dem Wohnmobil.

Larsson in Tour

Wenn ich heute an diese frühen Urlaube zurückdenke, muss ich besonders über eines lachen: Ich hatte mir damals viele Gedanken darüber gemacht, wie ich den Urlaub mit Hund am besten organisieren könnte.

Larsson hatte offenbar längst seinen eigenen Plan. Hauptsache, er war dabei.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar