Nicht ganz gerade

Pisa, Italien – 2019
Natürlich wollte ich mir bei meinem Besuch in Pisa auch den berühmten schiefen Turm anschauen. Wenn man schon einmal in der Gegend ist, gehört das irgendwie dazu.
Was ich allerdings ein wenig unterschätzt hatte, war der unglaubliche Andrang. Ganze Reisebusse voller Besucher, Menschen aus aller Welt und überall Kameras und Smartphones. Besonders beliebt waren natürlich die Fotos, auf denen man so tut, als würde man den Turm mit ausgestreckten Händen vor dem Umfallen bewahren.
Das ist nicht unbedingt meine Art von Reisefotografie.
Also habe ich meine Bilder gemacht, mir das Ganze angeschaut und mich vor allem gefragt, warum dieser Turm eigentlich so schief steht.
Die Antwort ist erstaunlich einfach: Der Untergrund war für das schwere Bauwerk nicht stabil genug. Bereits während der Bauarbeiten im 12. Jahrhundert begann sich der Turm zu neigen. Später versuchten die Baumeister sogar, die Schieflage durch unterschiedlich hohe Geschosse auszugleichen.
Gerade ist er dadurch nicht geworden.
Und trotzdem steht er noch immer dort. Mehr als 800 Jahre später reisen Menschen aus aller Welt an, um sich ausgerechnet dieses ziemlich schiefe Bauwerk anzusehen.
Wenn man darüber nachdenkt, ist das eigentlich eine ganz interessante Geschichte.
Auch im Leben läuft schließlich nicht immer alles so, wie man es ursprünglich geplant hat. Man schlägt eine Richtung ein, stellt irgendwann fest, dass sich etwas verändert hat, und muss vielleicht den eigenen Weg korrigieren.
Manchmal entstehen daraus sogar Möglichkeiten, an die man vorher überhaupt nicht gedacht hätte.
Vielleicht muss im Leben gar nicht immer alles gerade verlaufen. Manchmal kommt es anders als geplant, manchmal muss man die Richtung ändern.
Und manchmal stellt man fest, dass gerade die ungeplanten Wege ziemlich interessant sein können.
Es muss schließlich nicht alles perfekt sein, damit etwas Gutes daraus wird.
Musiktipp: Bon Jovi – Have a Nice Day
Zum Bild: Das Originalfoto entstand 2019 in Pisa. Für diese Veröffentlichung wurde daraus eine KI-gestützt überarbeitete Bildinterpretation erstellt. Farben, Licht, Details und Teile der Darstellung wurden verändert. Die Erinnerung an den Besuch und das lebendige Treiben auf dem Platz bilden die Grundlage.
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